Kirche am Berl - Heinrich-Grüber-Zentrum
Adresse: Am Berl 17, 13051 Berlin-Hohenschönhausen
Die Kirche am Berl, das Heinrich-Grüber-Gemeindezentrum, wurde 1988 nach Plänen des Architekten Werner Arndt errichtet. Sie gehört zu den besonderen Sakralbauten der späten DDR und entstand im Rahmen des sogenannten Sonderbauprogramms der DDR – auch als Bauprogramm „Kirchen für neue Städte“ bekannt.
Dieses Programm ermöglichte den Bau neuer Kirchen und Gemeindezentren in den wachsenden Neubaugebieten der DDR, in denen kirchliche Infrastruktur häufig fehlte. Grundlage waren Vereinbarungen zwischen der DDR-Regierung und kirchlichen Institutionen in der Bundesrepublik Deutschland. Zeitweise beteiligten sich auch die Schwedische Kirche sowie evangelisch-reformierte Kirchen der Schweiz an der Finanzierung.
Hintergrund des Programms war ein besonderes Finanzierungsmodell: Die Kirchen in Westdeutschland unterstützten Bauprojekte in der DDR, indem sie von der DDR gewünschte Waren und Rohstoffe finanzierten oder lieferten. Im Gegenzug wurden die Bauvorhaben durch DDR-Betriebe geplant und ausgeführt. Dieses System, das im Rahmen der sogenannten Kirchengeschäfte organisiert und von der „Kommerziellen Koordinierung“ (KoKo) koordiniert wurde, verschaffte der DDR dringend benötigte Devisen und ermöglichte zugleich die Errichtung zahlreicher kirchlicher Gebäude.
Die Kirche am Berl ist ein anschauliches Beispiel dieser außergewöhnlichen Baugeschichte. Sie steht nicht nur für die architektonische Entwicklung der späten DDR, sondern auch für die besondere Zusammenarbeit zwischen Ost und West, die unter den politischen Bedingungen der deutschen Teilung den Bau neuer Kirchen in den Großsiedlungen überhaupt erst möglich machte.
Heute ist das Heinrich-Grüber-Gemeindezentrum ein wichtiger Ort des Gemeindelebens in Berlin-Hohenschönhausen und zugleich ein bedeutendes Zeugnis der Architektur- und Zeitgeschichte der 1980er Jahre.